Linolschnitt ausprobieren: Oktopus-Anleitung für Einsteiger

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Rani liebt die Kunst, sie ist die Kunst! Jede freie Minute verbringt sie ihre Zeit im Kreativ-Atelier und kennt sich super gut mit den verschiedenen Materialien aus. Von abstrakt bis filigran – Rani probiert sich in unterschiedlichen Stilen aus. Sie ist und bleibt ein kreativer Freigeist! Du hast eine Frage zu verschiedenen Produkten? Sie findet eine Antwort für dich!

„Ob du personalisierte Karten verschicken, einen trendigen Tragebeutel gestalten oder ein richtiges Kunstwerk für dein Wohnzimmer erschaffen willst, mit Linolschnitt hast du einen multifunktionalen Kunststil zur Hand, mit dem du dich vielfältig ausleben kannst, je nach dem, wonach dir gerade ist.“

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Ein ausdrucks­starker Klassiker: Linolschnitt Anleitung für Einsteiger

Linolschnitt ausprobieren: Oktopus-Anleitung für Einsteiger

Heute heißt es „zurück in die Zukunft“! Denn wir machen einen kleinen Abstecher in unseren Kunstunterricht aus der Schulzeit und beschäftigen uns mit einem Klassiker: dem Linolschnitt. Damit lassen sich nämlich geniale Motive auf verschiedenste Materialien drucken. Und der Clou dabei ist, dass sich der Druck wie ein Stempel immer wieder verwenden lässt. Nachhaltig, oder? Doch was ist der Linolschnitt eigentlich? Welche Materialien brauche ich und wie ging das damals nochmal? Diese und weitere Fragen beantworte ich dir in folgendem Beitrag. Los geht´s!

Kurze Einführung in den Linolschnitt

Der Linolschnitt, auch Linoldruck genannt, ist ein Druckverfahren, bzw. eine grafische Technik, um dieselben Motive mehrmals zu übertragen. Ursprünglich wurde Linol zur Kaiserzeit als Fußbodenbelag verwendet. Mitte bis Ende des letzten Jahrhunderts hat er sich jedoch erfolgreich als Nachfolger des Holzdrucks etabliert. Grund dafür ist seine leichte Handhabbarkeit, das weiche Linol lässt sich viel leichter schneiden als Holz, d.h. gibt besser nach und nimmt zudem in flächigen Partien besser Farbe auf. Als Nachfolger des Holzdruckes, ist der Linolschnitt ebenfalls ein Hochdruckverfahren. Das bedeutet, dass du die nicht zu druckende Oberfläche rausschneidest, so dass lediglich die hochliegende Fläche gedruckt wird.

Wirklich praktisch: der Linolschnitt eignet sich besonders, um in die Massenproduktion zu gehen. Perfekt, um personalisierte Hochzeits- oder Geburtstagseinladungen zu erstellen, Geschenkverpackungen zu bedruckten oder gar andere Untergründe wie Textilien und Co. Einen weiteren Pluspunkt bekommt er von mir, weil er sowohl einfache als auch detaillierte Motive super schick aussehen lässt.

Was brauche ich alles für den Linolschnitt?

Erstmal ganz viel Geduld und Konzentration. Denn für die ersten Schritte, also das Schnitzen, kann die Bearbeitung der Linolplatte schonmal bis zu sechs Stunden dauern. Aber Spaß beiseite, unten habe ich dir eine Materialliste erstellt mit zusätzlichen Tipps und Anmerkungen von mir.

An Materialien solltest du dir folgendes besorgen:

  1. Linolplatte oder als Alternative für Kinder und Anfänger: Stempelgummi. Ihre Konsistenz ist ähnlich wie bei einem Radiergummi, so dass das Schneiden leichter fällt. Das Ergebnis wird allerdings nicht so detailreich wie bei einer Linolplatte, deswegen ist es eher für gröbere Motive geeignet.
  2. Walze
  3. Papier, das für einen sauberen Druck dünn und glatt ist. Hier kann ich das Japanpapier sehr empfehlen, es wurde extra für den Linoldruck entwickelt. Falls du auf eine andere Oberfläche wie Stoff oder Holz drucken möchtest, geht das natürlich auch, aber dafür brauchst du dann andere Farbe, zum Beispiel Textilfarbe.
  4. Linolschnitzmesser, also Klingenaufsätze und Griffel. Hier rate ich dir zu einem fünfteiligen Klingenset, worin verschiedene Klingenformen enthalten sind. Bei gebrauchtem oder günstigerem Schnitzwerkzeug unbedingt darauf achten, dass es nicht stumpf ist und du damit gut schneiden kannst.
  5. Die Linoldruckfarbe ist Gouachefarbe, die in der Konsistenz fester ist als normale Gouache und langsamer trocknet, sodass du gleich mehrere Drucke anfertigen kannst. Allerdings funktioniert das auch mit der Gouachefarbe sehr gut. Dadurch, dass sie fester ist, hat sie eine stark-deckende Konsistenz. Zudem lässt sie sich gut mit Wasser von der Linolplatte entfernen und ist ebenfalls trockenverzögernd, so dass du problemlos mehrere Drucke fertigen kannst.
  6. Glasplatte oder andere glatte Oberfläche, um die Farbe möglichst dünn aufwalzen zu können, so dass keine Farbe in die ausgeschnittenen Vertiefungen läuft.
  7. Linol Glanz kannst du optional verwenden, wenn du ein glänzendes Ergebnis haben möchtest. Du kannst es beim Anmischen und Auswalzen der Farbe einsetzen.
  8. Ebenfalls optional kannst du Linol Clean zum Säubern der Werkzeuge nutzen. Anstelle des Lösungsmittels reicht aber auch Wasser zum Entfernen der Farbe aus, die du allerdings nicht allzu lange auf der Linolplatte trocknen lassen solltest.

Vorgehen beim Linolschnitt mit einer Prise Insider Tipps à la Rani

Vorab: du solltest dein Motiv unbedingt spiegelverkehrt auftragen, vor allem, wenn du mit Schrift arbeitest, denn ansonsten ist das Bild falsch herum. Wie oben schonmal erwähnt, ist hier Geduld und Fingerspitzengefühl gefragt. Es klingt hart, aber beim Linolschnitt gilt „weg ist weg“, daher arbeite lieber langsamer und vorsichtig. Meine Empfehlung: nimm dir eine Linolplatte zum Testen und Ausprobieren, um erstmal ein Gefühl für das Material zu bekommen sowie die Handhabung des Werkzeugs.

Einen Linolschnitt fertigst du in Schichten an. Du beginnst mit dem Zeichnen des Motivs und der Übertragung desselbigen auf die Linolplatte. Als nächstes schneidest du dein Motiv mithilfe der verschiedenen Schnitzwerkzeugen in die Linolplatte, bevor du die Farbe aufträgst und das Motiv auf ein Papier oder ähnliches druckst. Manchmal überkommen einem aber auch beim kreativen Findungsprozess direkt noch neue Ideen - wie hier beim verschnörkelten Herz. Allerdings sollte dir bewusst sein, dass was beim Linoldruck durchs Schneiden entfernt wurde, nicht wieder dran geklebt werden kann - Improvisation und Fantasie sind dann gefragt!

Erste Stufe beim Linolschnitt: Motivübertragung auf die Linolplatte

Wenn du dir ein geniales Bildmotiv ausgesucht hast (vom Herz bis zum Fisch oder zur Eule ist alles erlaubt) kann es auch schon losgehen. Entweder zeichnest du direkt mit Bleistift oder weißem Stift auf die meist dunkle Linolplatte oder du paust dein Motiv ab. Ich habe auch zuerst eine Skizze auf einem normalen Papier gemacht, bevor ich diese mit Grafitkopierpapier auf die Platte übertragen habe. Diese Abpausmethode ist sehr praktisch und erspart dir viel Zeit.

Zweite Stufe beim Linolschnitt: Linolplatte schneiden

Nun kommt es darauf an, wie dein Motiv aussehen soll. Möchtest du einen Positiv- oder Negativschnitt erstellen? Beim Negativschnitt wird nur die Linie nicht bedruckt, heißt die Farbe wird flächig verteilt und dein Motiv erscheint in der Untergrundfarbe, auf die du druckst. Dahingegen zeigt der Positivschnitt im Endergebnis die Linien deines Motives in Farbe.

Hier ein kleiner Insider: lege die Linolplatte in die Sonne, bevor du mit dem Schneiden startest oder erwärme sie kurz mit einem Fön. Dadurch wird sie geschmeidiger und lässt sich leichter bearbeiten. Und gleich ein weiterer Tipp: lege deine Hand unbedingt hinter oder neben die Linolplatte beim Schneiden. Falls du abrutschst, was durchaus ein ums andere Mal vorkommen kann, schneidest du dich nicht selbst. Glaub mir, ich weiß, wovon ich rede!

So und jetzt zum Schnitzwerkzeug. Du hast es dir bestimmt schon gedacht, für weite Flächen, die am Ende weiß, erscheinen sollen, verwendest du die breitere Klinge, den sogenannten „Flachausheber“. Um das Motiv zu schneiden einen schlanken „Riller“.

Ich habe einen Positivschnitt erstellt. Für die Tentakel beim Oktopus habe ich einen sogenannten Riller verwendet, um schmal schneiden zu können. Vor allem die Saugnäpfe waren eine echte Herausforderung und haben mich präzise Detailarbeit gekostet. Die Eulen oder Fischgräten hingegen sind nicht ganz so filigran und konnten daher mit einem breiteren Werkzeug ausgeschnitzt werden.

Dritte Stufe beim Linolschnitt: Farbe auftragen und ab in die Massendruckproduktion!

Wenn du mit dem Schneiden fertig bist, verteilst du deine ausgewählte Linolfarbe auf einen glatten Untergrund, zum Beispiel eine saubere Kunststoff- oder Glasplatte und rollst die Farbe mit der Walze dünn aus. Hat deine Walze einen gesamten Farbauftrag erhalten, dann überträgst du die Farbe auf die geschnitzte Linolplatte ohne Druck, damit nur die Oberflächen Farbe abbekommen und nichts in die Zwischenräume gelangt. Du walzt nur einen Farbton auf der sauberen Platte, ansonsten mischen sich die Farben. Für die Eulen wurde schwarze Linolfarbe verwendet, für den Fisch blaue und für den Oktopus, der auf den Beutel gedruckt werden soll, habe ich schwarze Textilfarbe verwendet.

Zum Bedrucken legst du das Japanpapier oder eben das, was du bedrucken möchtest, auf die gefärbte Linolplatte. Zum Festdrücken kannst du eine saubere Walze nehmen oder einfach ein weiteres Stück Papier dazwischen legen, um dann mit der ersten, noch farbigen Walze darüber rollen. Falls du gerade keine zweite Walze zur Hand hast, kannst du auch einen breiten und großen Kochlöffel verwenden, das soll auch gut funktionieren. Kleinere, geschnittene Motive können aber auch andersherum direkt wie ein Stempel auf den zu bedruckenden Untergrund gleichmäßig gedrückt werden (s. Fisch).

Du kannst auch, wie ich es bei dem Beutel gemacht habe, im Nachhinein noch Farbe auftragen. Ich habe zum Beispiel wasserverdünnte Textilfarbe mit einem Pinsel über den Oktopus gemalt. Teste den Druck ruhig mehrmals aus, es ist normal, wenn es nicht gleich beim ersten Mal gleichmäßig aussieht, sondern braucht Zeit, bis du ein Gefühl dafür entwickelst. Mit deiner fertig bearbeiteten Linoldruckplatte kannst du nun eine Massenproduktion starten und dein Motiv auf den unterschiedlichsten Untergründen verewigen: einfach Farbe wieder ausrollen, erst auf die Linolplatte und dann auf den Untergrund übertragen. Wenn du die Farbe zwischendurch wechseln möchtest, dann solltest du vorher die geschnitzte Platte sowie die Walze und das Zubehör säubern .

Ein Extra: Linolschnitt mit mehrfarbigem Motiv

Du hast Spaß am Linoldruck gefunden und deine Leidenschaft für Linolschnitte entdeckt? Deine Familie und Freunde kriegen sich gar nicht mehr ein, weil sie unbedingt mehr von dir sehen wollen? Dann versuch doch beim nächsten Mal ein mehrfarbiges Motiv. Dafür brauchst du mehrere Linolplatten, in die du die verschiedenfarbigen Bereiche, die entstehen sollen, reinschneidest. Diese kannst du dann nacheinander drucken. Achtung: Vergiss nicht den Untergrund trocknen zu lassen, bevor du die nächste Farbe auflegst.

Hier besteht die Schwierigkeit, die genaue Position für das Blatt zu finden, so dass sich beim mehrfarbigen Druck die Farbmotivabschnitte entsprechend deiner Vision positionieren lassen. Als Hilfestellung kannst du hierfür eine Anlage mit zwei Holzwinkeln schaffen, an die du dein Papier immer wieder neu anlegen kannst. Wie gesagt, etwas für Fortgeschrittene, die für den Linolschnitt Feuer gefangen haben.

Fazit zum Linol drucken

Dein Künstlerherz brennt darauf, mehr über den Linolschnitt zu erfahren? Dann empfehle ich dir das Buch „Linoldruck - Grundlagen, Techniken & Projekte“ zur Vertiefung. Deine Hände kribbeln, weil du endlich starten willst? Dann besorg dir alle Materialien und nichts wie los!

Viel Freude mit dem Linolschnitt wünscht
Rani